Stephan Johann Lehmler hat seine Dissertation an der Fakultät für Informatik der Ruhr-Universität Bochum erfolgreich verteidigt und wurde mit magna cum laude ausgezeichnet. Ich durfte seine Arbeit als Doktorvater betreuen.

Seine Dissertation trägt den Titel „Indicators of memorization and their application to low-sample transfer-learning for deep learning-based sEMG-decoder“. Darin untersucht Stephan eine grundlegende Frage des maschinellen Lernens: Woran lässt sich erkennen, ob ein neuronales Netz verallgemeinerbare Zusammenhänge lernt oder beginnt, seine Trainingsdaten auswendig zu lernen?

Besonders schwierig ist diese Unterscheidung, wenn nur wenige Daten zur Verfügung stehen. Genau das ist häufig der Fall, wenn Systeme, die Bewegungsabsichten aus elektrischen Muskelsignalen erkennen, für neue Nutzerinnen und Nutzer angepasst werden müssen. Eine solche Kalibrierung soll schnell und unkompliziert sein – darf aber nicht dazu führen, dass das System nur die wenigen gezeigten Bewegungen lernt.

Stephan hat deshalb untersucht, wie häufig künstliche Neuronen während des Lernens aktiviert werden. Daraus entwickelt er Kennzahlen, die Hinweise auf unerwünschtes Auswendiglernen geben können, ohne dass dafür zusätzliche Validierungsdaten benötigt werden. Seine Arbeit verbindet damit eine theoretische Frage der künstlichen Intelligenz mit einer praktischen Herausforderung für Mensch-Maschine-Schnittstellen und assistive Technologien.

Ich habe Stephans wissenschaftliche Neugier, seine Ausdauer und sein eigenständiges Denken während unserer Zusammenarbeit sehr geschätzt. Es freut mich besonders, dass er diese anspruchsvollen Forschungsfragen zu einer überzeugenden Dissertation zusammengeführt hat.

Der Promotionskommission gehörten Prof. Dr. Alexander May als Vorsitzender, Prof. Dr. Sen Cheng als Protokollführer sowie Prof. Dr. Tobias Glasmachers und ich an. Für die Mitwirkung und den fachlichen Austausch danke ich meinen Kollegen herzlich.

Lieber Stephan, herzlichen Glückwunsch zu deiner erfolgreichen Promotion und dieser hervorragenden Auszeichnung! Ich wünsche dir für deinen weiteren wissenschaftlichen und beruflichen Weg viel Erfolg und weiterhin Freude am Forschen.

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